Lizenz zum Gelddrucken wurde privatisiert

An allen fiskalischen Rädchen und Reglern wird in genervten Gipfeln geredet, verhandelt und halblebige Beschlüsse gefasst, die dann auch hoffentlich was bringen. Mit Hoffnung in zum Himmel erhobenen Augen kann aber die Finanzkrise nicht bewältigt werden. Wir haben das Problem, dass die Staaten durch den unregulierten Markt gezwungen werden, die Wettgewinne aus Derivaten und sonstigen Wetten mit Nachdrucken von Geld zu erfüllen. Dabei haben die Staaten im Gegensatz zum Glückspiel die Entscheidung über die Wettspiele auf den Finanzmärkten liberalisiert aus den Händen gegeben.

Jetzt ist es aber an der Zeit, Mut zu zeigen und die Blase von 600 Billionen USD in Derivaten zu beenden. Es hat sich ausgespielt. Und es kann nicht sein, dass wegen dem Spieltrieb und Gier von Investoren die gesamte Wirtschaft des Planeten in Gefahr gehalten wird, nicht atmen kann.

Die nachfolgend zitierten Nachrichten über die Erwartung der Inanspruchnahme von billigen Krediten durch die Banke Ende Februar zeigt, welche Auswirkungen diese Wett-Regierung mittlerweile mit sich bringt. Da müssen Notenbanken die Banken mit frischem Geld versorgen, damit diese ihren Verpflichtungen nachkommen können. Dabei sind es nicht die Kredite für die Wirtschaft, die den Banken sorgen machen, sondern Anleihen und Derivate. Beides wird von Hedgefonds benutzt, um Krisen zu schaffen, mit denen sie an das Geld der Steuerzhlaer kommen. Durch die Mutlosigkeit der EU-Politiker ist es den Hedge-Fonds gelungen, Europa zu regieren. Ist das Demokratie?

Einige Helfer. Kreis der ehemaligen von Goldmann-Sachs: Mario Draghi, heute Präsident der Europäischen Zentralbank, der Finanzvorstand der Allianz-Versicherung und neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, war Deutschland-Chef der US-Investmentbank. Christopher Flowers leitete dort ab 1986 die Beratung für Übernahmen in der Finanzindustrie. Dann gründete er seine eigene Investmentfirma und erwarb sich einen Ruf als harter Sanierer. 2008 stieg er auch bei der Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) ein und verlor nach deren Pleite nahezu sein gesamtes Geld. Dorothee Blessing die Frau von Commerzbank-Chef Martin Blessing ist Managing Director bei Goldman Sachs in Frankfurt. Mario Monti der italienische Premierminister war stellv. Europachef von Goldmann und Henry „Hank“ Paulson sowie Robert Rubin, beide US Finanzminister zählen zu dem vornehmen Kreis der ehemaligen von Goldmann-Sachs.

So langsam muss jedem Politiker klar sein, dass er sich korrumpieren lässt, wenn er glaubt, durch die Finanzmarktregulierung würden die Heimatfinanzplätze in Gefahr gebracht, weil die Spekulanten abwandern würden. Was ist das bitte für eine Logik? Wer will schon spielsüchtigen gierigen Gestalten erlauben, die Wirtschaft zu ruinieren. Unter „Derivate im Visier – gefährliche Finanzprodukte“ habe ich vor paar Tagen die erdrückende Blase beschrieben, die alle Entwicklungen und Bestrebungen, Krisen zu bewältigen im Keim erstickt. Damit muss endlich Schluss sein. Es ist ein Witz, sich auf der einen Seite Gedanken darüber zu machen, ob Griechenland in der EURO-Zone bleiben soll oder nicht, oder wie viel Geld und unter welchen Bedingungen Griechenland zu seiner Rettung bekommen soll, und auf der anderen Seite völlig frei erlauben, dass eben gerade auf jene Staats-Pleite von Griechenlnad spekuliert werden darf. Und noch weiter: Die Ratingagenturen schon mal weitere Länder Herabstuefen, damit es die Spekulanten leichter haben.

Schizophrenie der Politik

Wenn eine Firma mehr Maschinen verkauft hat, dann hat sie mehr Einnahmen und erhöht damit ihren Wert. Dann ist es folgerichtig, wenn auch der Wert der Aktie dieser Firma steigt. Die Prozentsteigerung speist sich aus dem Mehrwert der vermehrt verkauften Maschinen.

Wenn auf dem Finanzmarkt gewettet wir, sagen wir mal 10,- EURO und bei entsprechendem Hebel der Gewinn der Wette mit 10,- EURO aufgeht, dann haben wir 20,- EURO. Zehn EURO Einsatz, werthaltiges Geld und 10,- EURO Gewinn, dem keine Gegenwert gegenüber steht, wie z. B. eine Maschine, ein Produkt. Der Spieler will aber seinen Gewinn einlösen, es muss ihm gut geschrieben werden und wenn es ihm ausgezahlt werden soll, ist kein Geld da – das muss erst gedruckt werden, weil es keinen Kunden gibt, der zahlen würde. Doch, einen habe ich vergessen, den Steuerzahler – der ist als Staatsbürger davon abhängig, ob seine Regierung beschließt, dass die Wettgewinne/Wettschulden aus den Steuern gezahlt werden sollen.

Dann kann die EZB eben das Geld an die Banken für 1% verleihen und die Banken kaufen genau die Anleihen für 9% Gewinn von den Staaten, die vorher von Ratingagentueren wundgeschossen wurden und von Hedge-Fonds in die Pleite getrieben werden. Eben, Schizophrenie einer beinahe nicht existierenden Welt. Es ist aber kein Wahn, sondern Realität – wir werden mit Billigung der Regierungen ausgeplündert. Sind die sog. Finanz-Zentren die Wegelagerer des 21. Jahrhundert?

Gelddrucken durch Wetten muss beendet werden.

IWF fordert Athen zu drastischen Lohnkürzungen auf (www.welt.de). Mag alles richtig sein, aber solange die Derivate nicht verboten sind, bewegt sich nichts, sondern die Karawane der Heuschrecken zieht vom Land zu Land weiter – satt wird sie nie. Nur schade, dass sogar IWF hier nur Griechenland auf dem Schirm hat und nicht das System insgesamt. Gerade IWF müsste sich mit aller politischen und wirtschaftlichen Kraft dafür einsetzen, dass Derivate, Wetten in der Finanzwelt verboten werden. Sie gehören in Wettbüros und nicht in seriöse Banken und Investment, die dann in Krisen nach Milchflasche des Steuerzahlers schreien. Wir sollten endlich verstehen, in einer Welt der Erwachsenen zu leben und nicht den pubertären, persönlichkeitsgestörten Stil des Konsums in der Finanzwelt den Ton angeben lassen.

Die Fed hält die Geldschleuse offen

Der Federal Reserve Act ermöglicht es der Federal Reserve bis heute, Geld ohne Gegenwert zu schaffen und es beispielsweise der amerikanischen Regierung gegen Zinsen zu leihen

Es bleibt das Risiko bestehen, dass die Entwicklung in Europa die Konjunktur in den USA belaste, sagte Bernanke am Donnerstag bei einer Parlamentsanhörung in Washington. „Wir beobachten die Situation permanent und werden alle verfügbaren Schritte ergreifen, um das US-Finanzsystem und unsere Wirtschaft davor zu schützen.“

Der Druck steigt, die Notenbanken rechnen mit länger anhaltenden Krise und versuchen gegen Druck der Spekulation aus frisch gedruckten Geld einen Wall aufzurichten. Während Europa im nächsten Gipfel über die Rettung der PIGS debattiert  öffnet die US-Notenbank Federal Reserve ihre Geldschleusen länger als bisher erwartet.
Gerade hat die Federal Reserve in Washington DC einen echten Paukenschlag gelandet – wir dürfen uns auf drei Jahre Nullzins einstellen. Der US-Leitzins wird voraussichtlich noch bis Ende 2014 auf Tiefstständen verharren und damit deutlich länger als bislang angenommen.
Zuletzt hatte die Fed im Sommer 2011 ein Zinsversprechen abgegeben, wonach der Leitzins bis mindestens Mitte 2013 bei faktisch null Prozent gehalten wird. Kerosin für die Konjunktur. Das heißt, dass wir uns auf eine anhaltende Geldflut einstellen dürfen, die sich über die Märkte ergießen wird. De facto füllt die Fed neues Kerosin in den stotternden amerikanischen und in den globalen Konjunktur-Motor.
Bislang sind die ganzen billigen Kredite der vergangenen Jahre noch nicht in die Realwirtschaft gelangt, weil Banken erhebliche Verluste bei südeuropäischen Staatsanleihen hinnehmen mussten und Cash brauchen, um ihre Bilanz zu stärken.
Die Angst vor Verlusten zeigte sich beispielsweise in den vergangenen Monaten im enormen Anstieg der Kurse für deutsche und amerikanische Staatsanleihen – trotz Minizinsen setzen die Anleger auf sie, weil sie beiden Ländern vertrauen und von einer Rückzahlung ausgehen.
Fondsmanager sprechen davon, dass viel Cash zurzeit auf Festgeld-Konten „eingefroren“ ist. Banken und Firmen sollen endlich investieren.
Die Fed will mit dem dauerhaften Öffnen der Geldschleuse Unternehmen und Investoren zwingen, das Horten von Geld aufzugeben. Die Akteure in der Realwirtschaft sollen nun endlich investieren, um die Konjunktur anzukurbeln.
Sollte die Geldmengen über die Vergabe von neuen Krediten durch die Geschäftsbanken tatsächlich in die Wirtschaft gelangen, drohen höhere Preise, weil mehr Papiergeld die gleiche Menge an Gütern jagt.Anders ausgedrückt: Damit steigt die Inflationsgefahr, weil das ganze Geld ja irgendwo hin fließen muss. Ergo legten nach der Entscheidung Gold, Silber und Erdöl zu, auch die Wall Street legte zu, der DAX feierte die Entscheidung ebenfalls. Der Dollar rutschte dagegen gegenüber dem Euro ab. Gold und Silber wieder interessanter. Für die Edelmetalle bedeutet die anhaltende Inflationspolitik natürlich neuen Rückenwind.

Billige Kredite der Notenbank

„…hart arbeitender Bürger könnte glatt neidisch werden, wenn man sieht, wie leicht es den siechenden europäischen Banken gemacht wird, massiv und ohne Risiko Geld zu scheffeln…
…29. Februar…Bankmanager tragen an diesem Schalttag den gewünschten Betrag in das Online-Formular der Notenbank ein – und genau diese Summe wird überwiesen. Zinssatz: ein Prozent, Laufzeit: drei Jahre. Bedingung …die Billig-Kredite – im Fachjargon Tender genannt – kommen einer Lizenz zum Gelddrucken gleich. Den Banken winken Profitmargen von 500 Prozent und mehr…Banken mit dem billigen Notenbankgeld spekulieren und irische sowie portugiesische Anleihen kaufen. Da seien Renditen von elf Prozent und mehr drin…die EZB und damit der Steuerzahler schlussendlich immer haften würde, wenn etwa italienische Staatspapiere ausfallen sollten…“ (Süddeutsche)

Profit mit der Pleite – Spekulation gegen Griechenland

Griechenland ist fast pleite, doch selbst am Niedergang des Landes kann man noch verdienen. Hedgefonds machen es vor und nutzen dabei ein völlig legales Geschäftsmodell. Seit Anfang 2010 kaufen sie massiv Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) für griechische Staatsanleihen, und treiben so den Preis für die sogenannten CDS in die Höhe. Damit haben die Fonds ihren Einsatz nach Angaben von Marktbeobachtern bis um das Zwanzigfache erhöht. Bei einem Staatsbankrott Griechenlands würden diese Kreditausfallversicherungen ausbezahlt. Und zwar von griechischen Banken, die den Spekulanten die CDS verkauft haben. Die Auszahlung wiederum garantiert der Euro-Rettungsschirm. Und für den steht der europäische Steuerzahler gerade. (ZDF.de/frontal21/ Video)

Banken wollen Billig-Kredit der EZB

„…Trotz der beispiellosen Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember ist der Durst der Geschäftsbanken nach Liquidität offenbar nicht gestillt: Drei Bankchefs sagten der britischen Financial Times, sie würden beim nächsten Dreijahrestender der EZB Ende Februar zwei- bis dreimal so hohe Darlehen aufnehmen wie vor sechs Wochen. Insgesamt würden die europäischen Kreditinstitute möglicherweise eine Summe von 1000 Mrd. Euro abfragen, sagte ein Bank-Manager der Zeitung: „Es könnte sogar noch mehr werden, wenn sich die Lage auf den Märkten verschlechtert…
…Die Geldhäuser misstrauen einander. Sie gieren nach einem neuen Darlehen der Zentralbank über drei Jahre. Die Nachfrage könnte nach Einschätzung einiger Institute auf 1000 Mrd. Euro und mehr steigen…“ ( FTD )

Ein Gedanke zu „Lizenz zum Gelddrucken wurde privatisiert“

  1. Wieder Frage statt Kommentar:
    Wem gehören die Kreditausfallversicherungen, mit denen die Derivatehändler spekulieren?
    Was haben wir Bank- und Versicherungskunden in der Hand, um uns zu wehren?
    Geld im Sparstrumpf? Keine gute Idee, oder doch? Lieber das Einbruchs- und Diebstahlsrisiko eingehen als diese marode „Finanzwirtschaft“ zu unterstützen?
    Bin ich mit meiner Lebensversicherung bei der xy-Bank am Derivatehandel beteiligt und wenn ja, in welchem Umfang? Könnte es helfen, wenn Banken und Versicherungen bei ihren Zinsversprechungen hierüber aufklären müßten?
    Fürchte, nein, fürchte, dass sich zu wenige hierfür interessieren, Hauptsache, der Rubel rollt (in die eigene Tasche)

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