Informationscrash

Leben wir in einer „Desinformationswirtschaft“, wie der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte meint? Und ist die Finanzkrise ihr bestes Beispiel?

Zu Interview mit Max Otte by ecolot. Von der Informationstechnologie getragene Wachstumszyklus neigt sich sich zu seinem Ende. Die Informationstechnologie brachte durch technologische Entwicklungen, deren Verbreiterung und Etablierung im Alltag einen Informationssprung von gigantischen Möglichkeiten. Es verwundert nicht, wenn manche es mit Entdeckung von Buchdruck vergleichen. Seit dem Jahr 2000erleben wir, wie uns die unüberschaubare und durch Einzelne nicht kontrollierbare Menge an Informationen in die Irre führt. Sie erlaubt kriminelle Machenschaften in allen Bereichen. Nicht nur die allgemeine Wirtschaft sondern auch die Wirtschaftskriminalität kamen damit zu exponentiellen Wachstumsmöglichkeiten. Geblieben sind die Wachstumsraten bei der Wirtschaftskriminalität, beim Missbrauch und bei gezielten Desinformation.

Der Wachstum der Informationstechnologie erfährt am Ende des Zyklus die Übersättigung des Marktes bei Mangel an Basisinnovationen. c – eine Krise die uns zweistellige Billionen Euro kosten wird – vor dem nachfolgenden Wachstumszyklus. Heute kann noch niemand genau den wirtschaftlichen Schaden für die Weltbevölkerung beziffern, allein die aufgeblasenen, wertlosen Derivate sollen 90 Billionen Euro ausmachen. Es ist nicht nur der negative Stress der letzten 10 Jahre, sondern das zunehmende Bedürfnis der Menschen nach einem anderen, humanecologischen Weg. Deshalb denke ich auch, dass die Basisinnovation des nächsten Wachstumszyklus die psychosoziale Gesundheit sein wird. Die Information bringt es nicht mehr. Nur Reizüberflutung und diverse Crashs, wenn sie von unverantwortlichen Händen verbreitet wird.

New-Economy-Krise 2001/2002 Nach der Jahrtausendwende hatten übersteigerte Gewinnerwartungen zu einem dramatischen Kursanstieg von Internet- und Technologieaktien geführt. Sehr viele Werte aus der New Economy waren maßlos überbewertet. Nach dem Internet-Boom kam der Zusammenbruch und viele junge Unternehmen gingen pleite. Auch andere Aktien verloren erheblich an Wert. Eine Reihe von Fehlanreizen, wie die Bezahlung des Managements durch Aktienoptionen und kriminelle Machenschaften verstärkten die Krise. Das Platzen der Spekulationsblase erschütterte nachhaltig das Vertrauen der Anleger. 11. September 2001 Ein Übriges taten die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Die US-Notenbank reagierte mit starken Zinssenkungen, die US-Regierung mit Steuersenkungen und dem deutlich formulierten Wunsch gegenüber den Banken, diese mögen doch durch eine unkoventionelle und flexible Kreditpolitik möglichst vielen Amerikanern helfen, zu eigenem Häuschen und Wohlstand zu kommen. Subprime Krise – Immobilienblase Die radikalen Zinssenkungen der Fed damals haben jedoch nach Einschätzung vieler Experten Kredite zu stark verbilligt. Dies habe den Grundstein für die aktuellen Finanzmarkt-Turbulenzen gelegt, die durch eine Krise am Hypothekenmarkt ausgelöst wurden.

Finanzkrise, ein gigantischer Informationscrash (Interview mit Max Otte by ecolot) „…Wir haben mit fiktiven Produkten fiktive Werte geschaffen. Bereits im Frühjahr 2005 bemerkte ich, wie der Wahnsinn am amerikanischen Hypothekenmarkt um sich griff. Die amerikanischen Zeitungen berichteten allenthalben über explodierende Häuserpreise in Florida, Las Vegas, New York City und anderen Regionen. Das Immobilienspekulationsfieber hatte die USA erfasst. Fast jeder konnte aufgrund einer maßlosen Geld- und Kreditpolitik eine oder mehrere Hypotheken erhalten. Bürgerinnen und Bürger, Handwerker, Pizzabäcker, Friseure und Friseusen kauften Häuser, nur um sie nach kurzer Zeit mit Gewinn weiterzuverkaufen. Ich selber hatte erlebt, wie der Preis des kleinen Häuschens in Princeton, in dem ich mit drei anderen Doktoranden von 1989 – 1992 gewohnt hatte, von 130.000 Dollar im Jahr 1991 auf 360.000 Dollar im Jahr 2001 gestiegen war. In Boston fraß die Miete meines sehr einfachen Apartments 1998 knapp die Hälfte meines Einstiegsgehalts als Professor auf…“ (Interview mit Max Otte by ecolot)

Das neue Max-Otte-Buch „Der Informationscrash“ ist erschienen.

Im SWR 2 Forum:

Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Philosoph, Kulturwissenschaftliches Institut, Essen Prof. Dr. Max Otte, Wirtschaftswissenschaftler und Autor, Fachhochschule Worms Florian Rötzer, Chefredakteur des Internetmagazins „Telepolis“

Moderator: Eggert Blum

die Thesen von Max Otte.

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