Panik und Gier – wenn das Denken streikt

DAX-Absturz – „Investoren geht es ums nackte Überleben“
Der DAX ist auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren gestürzt. Bis zum Mittag verlor er mehr als zehn Prozent. „Es geht ums nackte Überleben“, sagt ein Händler in Frankfurt. Sogar von einer „Kapitulation“ der Investoren ist die Rede.

Börse: Das Zittern der Giganten
von Reinhard Schlieker
An der Wall Street greift die Angst auf vermeintlich Furchtlose über: Die bisher so mächtigen Manager der gefürchteten Hedgefonds. Die sollten angeblich in allen Marktsituationen verdienen. Welch ein Irrtum.

Krise oder nur Krisengerede?
von Thorsten Alsleben
Viele reden von Weltwirtschaftskrise. Und in der Tat läuft die Wirtschaft in der ganzen Welt schlechter. Doch eine weltweite Rezession gibt es nicht. In manchen Ländern läuft es sogar so gut, dass auch für Deutschland Hoffnung besteht.

Sie haben sicher gemerkt, dass ich gerne Nachrichten der öffentlichen Sender ARD und ZDF als Aufwärmer für Überlegungen nehme, wo könnte es Querverbindungen und Ausgänge aus einem Problem geben, über das alle Bescheid wissen. So ist es auch mit den beiden oben stehenden Links. Zu diesen Fragen wird der Artikel heute Nacht folgen. Bis später.

Der neue Rundfunkstaatsvertrag hat mich etwas beschäftigt, deshalb ist die Nacht auch etwas länger geworden.

Devisenreserven
Die Notenbanken Chinas, Russlands oder Brasiliens haben in den vergangenen Jahren gewaltige Devisenreserven angehäuft. Seit dem Jahr 2000 sind die Devisenreserven weltweit von rund 2.000 Milliarden auf zuletzt 5.100 Milliarden Dollar angeschwollen – allen voran beim Spitzenreiter China, der allein auf 1.200 Milliarden Dollar sitzt. China, als Werkbank der Welt konnte in den vergangenen Jahren die Exportüberschüsse schneller einsammeln, als es sie ausgeben konnte. Dazu kommt, die traditionell „private Altersvorsorge“ in China. So häufen sich Jahr für Jahr große Summen bei Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Investmentfonds an. Und so hat sich das Volumen in den weltweiten Investitionsfonds von 6.000 Milliarden Dollar auf 20.000 Milliarden Dollar mehr als Verdreifacht.

Panik entsteht dann, wenn sich Menschen hilflos in einer Situation eingesperrt fühlen. Die Gier nach einem ungebremsten Wachstum hat es ermöglicht zu vergessen, dass ein unbegrenztes Wachstum ohne Katastrophe nicht möglich ist. In der Medizin kennen wir ungebremsten Wachstum der Gewebezellen – das Ergebnis ist Krebs. In der Ökologie wissen wir, wenn ein System durch Schadstoffe überfrachtet wird, eine Selbstregulierung des Systems nach neuen Regeln stattfindet. Ein verschmutztes Gewässer wird Veralgen, Mangel an Sauerstoff erlaubt einen ungebremsten Wachstum von Braunalgen, bis das Ökosystem Wasser von einer Minute auf die andere umkippt – der See kippt um und ist erstmal tot.

In beiden Fällen, sowohl beim Krebs wie auch bei der Veralgung versuchen die Systeme eine neue Ordnung zu finden, in der wieder ein Gleichgewicht möglich ist. Im Körper versuchen alle Anteile des Immunsystems den ungebremst wachsenden Krebszellen Paroli zu bieten. Je nach Aggressivität der Krebszellen werden die Immunzellen mehr oder weniger Erfolg haben.

Es war spätestens bei dem G8-Treffen im Heiligendamm klar, dass die Situation der Finanzmärkte erheblich angespannt ist und deshalb Regelungen erforderlich sind, die den ungebremsten Wachstum von Finanzprodukten eindämmen würde. Die Regierungen von USA und Großbritannien haben sich dem nicht anschließen können und ließen sich von der Doktrin, die Marktkräfte würden es schon selber regulieren blenden. Gewiss waren auch da Lobbyistenkräfte der Hedgefonds im Hintergrund tätig, um eine Regelung möglichst zu verhindern. Genau diese bisher so mächtigen Manager der gefürchteten Hedgefonds bekommen es jetzt mit der Angst. Sie wissen am besten, dass ihre Produkte nicht mit Werten sondern mit heißer Luft gefühlt sind und nur dann überleben können, wenn sie das Karussel der Finanzmärkte ohne Störungen und Verzögerungen dreht, Kredite, schnelle Kredite verfügbar fließen und Renditen durch ebenso so schnelle Käufe und Verkäufe realisiert werden können. Heiße Luft läßt sich eben nur in einem kurzen Zeitfaktor handeln, sonst verliert sie gigantisch schnell an Wert.

In einer Situation, in der sich der sich die Finanzmarktteilnehmer der Bedeutung von Werthaltigkeit bewusst werden, werden substantielle Werte gesucht.

Der Finanzmarkt ist aber schon umgekippt. Der Immobilienblase folgt die Kreditkartenblase und das Platzen der Derivatenblase ist schon im Gange. Deutschland ist mit 350.000 Zertifikaten das Land, in dem die meisten Zertifikate vorhanden sind. Allerdings werden die Anleger nun mehr unter dem Druck der Finanzkrise vernünftig und ordern immer weniger von den faulen Produkten der Banken.

Es sind also alle in einem System eingeschlossen, das kocht und der Deckel kurz vom Wegfliegen ist. Die Milliardenspritzen sollen gerade dies verhindern, der verlauf der Aktienmärkte Zeit, dass es nicht funktioniert. Der Staat pumpt zwar Geld in System rein, sorgt aber nicht dafür, dass das Finanzsystem mit neuen Regeln die wertlosen Produkte beseitigen und durch werthaltige erstezen kann. Damit ist das System gezwungen, weiter nach einem neuen Gleichgewicht zu suchen. Ungeregelt wird das System, ob Körper, See oder Finanzmarkt den Weg des geringsten Widerstandes suchen und sich vom Balast schnell möglichst zu befreien, um an „Sauerstoff“, bei Finanzen an Wert heranzukommen. Unbegrenzetes Wachstum ist nicht möglich, es sei denn, es regiert die Gier. Dann allerdings sind Wachstumsraten von 25% und mehr Prozent möglich, weil sich zwei Geschäftsleute auf die Werthaltigkiet vereinbaren – sie bestimmen, welchen Wert sie einem Papier mit bestimmten Funktionen geben und lassen andere dieses Papier kaufen, mit dem Versprechen, es werde sich exorbitant vermehren. Tut es auch, solange die Spielstrategie aufgeht. Aus dem Cassino wissen wir, das Glückspiel nichts mit garantiertem Gewinn zu tun hat. Entweder Gewinnen oder Totalverlust.

Auf der anderen Seite ist Panik ein Zeichen dafür, dass das System bereits umgekippt ist. Es wird aber noch weiter beruhigt und beschönigt, damit alle ruhig bleiben. Eins ist natürlich richtig. Panik ist der schlechteste Ratgeber den es geben kann. Panikverkäufe verursachen Vernichtung von Kapital, weil unter Panik auch Papiere von Firmen unter Wert verkauft werden, deren Zustand gesund ist und der Betrieb werthaltig.

Es ist immer noch kein Verbot von Zweckgesellschaften der Banken erfolgt.

Der Finanzaufsicht bleiben immer noch die Kompetenzen beschnitten, so dass sie gar nicht kontrollieren kann.

Es gibt immer noch keine Verpflichtung zu Risikoabdeckung, so dass Banken immer noch zu 100% ihre Produkte aus Krediten finanzieren können. Jeder Hausbauer muss im Gegensatz 20% Eigenkapital mindistens aufweisen, um seine Kredite bekommen zu können. Wenn die Banken sich so verhalten dürfen, bleiben die Bankkunden immer die Verlierer – oder man versucht, als Bürger auch an Geld des Rettungspaketes zu kommen. Die Mittelständler beklagen bereits die diskriminierende Ungleichbehandlung von Banken und Realwirtschat.

Schreibe einen Kommentar